Hooligan
Gestern Abend ist mein Verstand kurz eingenickt. Da hat mein Herz die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ist ausgebüchst.
Es hat sich die Kante gegeben und ist grölend und randalierend durch die Straßen gezogen. Es hat Mülltonnen umgeschmissen und Scheiben eingeschmissen.
Heute Morgen ist mein Verstand wieder aufgewacht und hat schockiert festgestellt, was passiert ist. Er ist dann panisch dem Herzen hinterher gerannt und hat versucht, die Situation wieder in den Griff zu bekommen und die Verwüstung zu beseitigen, die das Herz angerichtet hat.
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Tags: Herz, Randale, Verstand
Trabant
In der Dunkelheit des Seins
scheint ein Stern
so fern
ganz allein
in der Weite des Raums
zieht ein Planet, ein Trabant, dahin
weist stets im Kreise drehend
auf seine Mitte hin
Zieht ums Licht die Bahn
will sich nahn
ohne zu verglühn
hält sich fern
nur mit mühn
will die Wärme spüren
wird die Hitze fühlen
und mit Lust vergehen …
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Denn dein Lachen
Red’ nur immer weiter und weiter
denn ich hör’ dich so gern reden
ob Zornesworte oder Veden
wähn’ ich mich auf Jakobs Himmelleiter
Deine spitzen roten Lippen
die mich entzücken
wenn weiße Zähne dahinter blitzen
und beim Lachen fröhlich wippen
Denn dein Lachen,
was würd’ ich dafür geben
dich Lachend zu erleben
denn dein Lachen,
wird mich glücklich machen.
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Du
Es gibt schönere als dich,
aber keine ist schöner für mich.
Es gibt gebildetere als dich,
aber keine ist gebildeter für mich.
Auch wenn andere mich öfter zum Lachen brachten
konnte ich doch bei keiner schöner lachen.
Bei anderen hat sich mein Kopf gedreht,
doch Keine hat mein Leben so verdreht
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Im Märchenwald
Heute war ein schöner Frühlingstag, ein Tag, wie am achten Tag der Schöpfung. Die Vögel zwitscherten, als hätten sie es gerade erst gelernt, als wollten sie noch üben und jeden möglichen Ton ausprobieren. Wie Kinder, die neues Spielzeug erhalten haben und es jetzt unbedingt ausprobieren müssen.
Ich hatte etwas Zeit und wollte die frische Luft genießen. So machte ich mich auf und ging etwas im angrenzenden Wald spazieren. Das habe ich schon lange nicht mehr getan und so war ich froh, dass sich mir diese Gelegenheit bot. Ich nahm diesmal den schmalen Weg, der an einem Flüsslein entlang führte. Es war wirklich nur ein Flüsslein, klein und schmal, aber durch den steilen Abhang stürzte er mit einer doch ziemlich starken Strömung den Berg hinunter, wild um sich plätschernd, nur von den Felsen in seiner Bahn gebändigt. Nach einer Weile bog der Weg dann nach links vom Bach weg, der im Hintergrund weiter mit den Felsen kämpfte, und ich kam tiefer in den Wald hinein. Langsam verstummte der Lärm der Straße und die Zivilisation erschien nur noch wie eine blasse Erinnerung, nicht real.
Ich hatte vergessen, was für ein bezaubernder Ort der Wald sein kann, in der Tat fast magisch. So tief im Wald fühlt man sich wie in einem zeitlosen Raum, wo Vergangenheit und Gegenwart ineinander fließen und die Zeit keine Rolle mehr spielt. An diesem Ort wäre man nicht erstaunt, wenn hinter dem nächsten Baum ein alter Germane ein Nickerchen halten würde, oder weiter unten auf dem Feldweg plötzlich Ritter in einer glänzenden silbernen Rüstung auf hohen Rössern vorbeireiten würden. Mit jedem Atemzug atmet man die Luft der Ewigkeit und der Weisheit des Alters, die in diesen Bäumen schlummert, die schon so viel in ihrem Leben gesehen haben. Königreiche zerfielen und Giganten des Geistes verstarben, aber diese Bäume überdauerten sie alle. Und wenn wir nicht so schnelllebig wären, könnten wir vielleicht hören, wie sie uns eine oder zwei Geschichten zu erzählen hätten…
Aber selbst wenn wir uns Zeit nehmen, sind wir zu schnell, um sie zu hören. Und so gehe ich weiter auf meinem Weg, berauscht von dieser Impression. Ein Stückchen weiter sehe ich dann, wie ein kleiner Pfad sich vom Weg abzweigt und fast unsichtbar zwischen den Bäumen hindurchführt um dann im Gewirr der Blätter zu verschwinden.
Ich stehe noch an diesem Pfad und betrachte ihn, da höre ich ein leises Kichern. Nein, eigentlich zwei leise Kicher, abwechselnd sich zukichernd. Ich drehe mich um und wie zwei Geister der Vergangenheit aus dem Nichts huschen ein junger Mann und eine junge Frau an mir vorüber und betreten einander an den Händen haltend und rennend den Pfad, den ich gerade noch betrachtete. Ich weiß gar nicht mehr wieso, aber wie von jemandem gezogen ging ich hinter ihnen her, ganz leise und in sicherem Abstand, um sie nicht zu stören.
Nach einigen Metern springt plötzlich ein Reh ganz aufgeschreckt davon. Aber das lässt das Pärchen nur ganz kurz innehalten. Bald lachen sie wieder und gehen, nun etwas langsamer, weiter auf dem Pfad entlang. Das scheue Reh, ja jedes raschelnde Blatt und jedes Knacksen im Unterholz sind nur weitere Töne in der Melodie des Hohelieds der Liebe, dass die beiden gemeinsam und füreinander anstimmen.
Nach einigen weiteren Schritten bleiben die beiden an einem Baum stehen, immer noch halten sie sich die Hände und jetzt blicken sie sich in die Augen, sie leicht verlegen und unsicher und er ihr innerstes suchend.
“Psscht”, sagt er dann und hält sich den Finger an den Mund, “hast du das gehört?”
“Was?”
“Wie die Vögel eine kurze Pause eingelegt haben, wie sie kurz aufgehört haben zu singen, als sie dich sahen? Wie sie nach Luft geschnappt haben, um jetzt wieder mit ganzer Kraft ihr schönstes Lied anzustimmen, mit dem sie deine Schönheit besingen?”
Sie blickte verlegen zur Seite.
“Und siehst du die rote Sonne? Sie errötete, als sie dich sah, weil sie nicht weiß, wie sie sich in deiner Nähe verhalten soll. Siehst du, wie sie sich schamvoll hinter den Bergen versteckt?”
Das junge Mädchen errötete wie im Wettstreit mit der röte der Sonne und kicherte verlegen.
In dem Moment erschrecke ich ein wenig über mich selbst, denn eigentlich gehört es sich nicht, andere so zu belauschen. Und so lasse ich die beiden verliebten zurück und gehe leise auf dem Pfad zurück, ohne die beiden zu stören, und gehe tiefer in den Märchenwald hinein…
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Moloch
Blutsaugender Moloch am großen Teich,
fett und Reich, und gierig zu stehlen,
Menschen und Freunde, die mir dann fehlen,
gierig Deutschland zu berauben,
die hellsten Köpfe abzustauben,
die dieses Land braucht,
damit es nicht verraucht
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About “Schreibtisch”
Der Schreibtisch ist der Ort, an dem Verborgenes an die Öffentlichkeit gelangt. Was vorher ganz sicher in den Windungen des eigenen Gehirnes schlummerte und sich versteckt hielt, wird am Schreibtisch sichtbar in Form von Worten. Der Schreibtisch ist also ein Ort der Offenbarung: was verborgen war, wird jetzt offenbar. Und mit der Sichtbarkeit kommt auch die Angreifbarkeit und die Verletzbarkeit.
Der Schreibtisch ist aber auch ein Ort des Schaffens, der Kreativität, eine Werkstatt und eine Experimentierstube. Hier entstehen vermeintliche und tatsächliche Kunstwerke. Hier entstehen Werke für den Mülleimer und Werke für die Weltgeschichte. Der Schreibtisch ist ein spannender Ort, ein Ort zwischen Genie, Wahn und Enttäuschung.
Ein wenig von alledem soll auch dieser Schreibtisch werden. Ich möchte hier experimentieren, und zwar mit Worten, Sprache, Ideen und Gedanken. Dieser Schreibtisch soll eine literarische Werkstatt werden. Hier werden sicherlich viele Werke für den Mülleimer dabei sein, aber vielleicht auch einige, die Menschen bewegen und ansprechen.
Ich möchte dich als Leser aber nicht nur am Endprodukt teilhaben lassen, sondern auch am Weg dahin. Bei größeren Projekten werde ich darüber schreiben, was ich zu tun beabsichtige und wie ich dahin kommen will, was mir Probleme bereitet, wo ich nicht weiterkomme etc. Du sollst bei mir mit am Schreibtisch sitzen. Und am Schreibtisch entstehen auch Gespräche. Man diskutiert miteinander, man tauscht Ideen aus und fragt nach, wenn man etwas nicht versteht. Das soll auch hier möglich sein, einmal über die Kommentarfunktion, dann auch über das “meebo”-Widget in der Seitenleiste.
Eins aber wird hier nicht so sein, wie an einem normalen Schreibtisch: Du wirst “mich” nicht wirklich sehen, also mein erstes Ich, dass Ich, das in der ersten Welt agiert. Hier begegnet dir nur mein zweites Ich. Manchmal ist dieses zweite Ich offener und freier als das erste Ich, aber mein zweites Ich wird dir nie etwas über mein erstes Ich verraten. Frage also nicht danach. Das ist die wichtigste Regel hier: Frage nie danach, wer ich bin, wo ich bin, woher ich bin. Die Antwort wäre nur Schweigen. Und wie beim Schweigen ist es auch bei mir: Nennst du meinen Namen, bin ich weg…
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Die Büchse der Pandora
Die schöne Pandora mir einst ein schönes Geschenklein brachte,
ich ahnte nicht, was es enthält
und als ich es freudig offen machte,
bemerkte ich das Böse der ganzen Welt,
dass aus der Kiste floss
und mir mein Leben zerschoss.
Man sagt, aus Mitleid
habe eine Göttin eine Freudigkeit versteckt,
doch ich frag mich, war es Grausamkeit,
die sie trieb, unter all dem Bösen verdeckt,
die Hoffnung zu verstecken,
an der die Menschen verrecken.
Hoffnung ist ein schönes Wort,
die Hoffnung stirbt zu letzt,
die Hoffnung ist der letzte Hort,
ach die Hoffnung, maßlos überschätzt.
Hat sie dich gepackt,
lässt sie nicht mehr los,
selbst nach Kampf und stoß,
bleibt dir nur noch nackt
und zerrissen in der Welt zu stehen,
selbst dann wird sie nicht vergehen.
Am Ende jedes Tunnels schenkt sie dir Licht,
selbst wenn alles über dir zerbricht,
selbst wenn nur der Rückzug bliebe,
selbst dann triebe und triebe
sie dich nach vorn,
und du bist hoffnungsvoll verlorn.
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